Was erleben Sterbende…

„… Obwohl die Menschen um ihn herum liebevoll und traurig sind – und die Ärzte und Krankenschwestern oft hingebungsvoll wie Heilige ihre Arbeit tun – erkennt der Sterbende, das er ohne dieses Verständnis völlig allein ist.

Die echte Liebe die ihnen von anderen erwiesen wird, bedeutet für den Sterbenden unschätztbare Hilfe und Trost. Aber sie vermindert nicht das Leid und die Frustration aus dem Gefühl, durch den Mangel an Verständnis von den Lebenden abgeschnitten zu sein.

Das Sterben ist ein Prozess des Rückzugs hin zu einem neuen Leben, einem neuen Bewusstsein. Davon haben die Lebenden keine Ahnung, weil sie sich bewusst davon abgewendet haben. Durch das Heraufdämmern ihres veränderten Bewusstseinszustandes erkennen die Sterbenden, das die Lebenden den Tod nicht nur nicht verstehen, sondern das ihn auch keiner verstehen will, das alle, selbst die Traurigsten, zu sehr dem Leben verhaftet sind. Das Gefühl von Distanz und Vergeblichkeit ist schrecklich.

Infolgedessen wenden sich die Sterbenden von uns ab, bevor sie sterben, so wie wir uns von den Toten abgewendet haben. In vielen Fällen kann man sehen, das der Sterbende in der Tat sein Gesicht zur Wand dreht, angesicht der schiehrsten Vergeblichkeit des Versuchs zu kommunizieren, wo es kein Verständnis gibt. Oder es scheint, das er apathisch abwesend wird. Sicher hast du selbst das weltliche Gegenstück dieser Frustration schon erfahren, wenn du aufgeben musstest, dich mit jemandem zu verständigen, der einfach nicht verstand und verstehen konnte.“

(aus „den Tod durchschauen“, Barry Long)